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Materialien zum Ethikunterricht

G L Ü C K

 Eine Einführung in das Thema -  vorgetragen auf der 9. Sitzung des Philosophischen Café Augsburg-Schwaben (PCAS) am 13. Okt. 2006

  

In der deutschen Sprache wird der Begriff Glück in zwei sehr unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht:

 

-          Glück im Sinne von „Glück haben“

-          Glück im Sinne von „ Glück empfinden“

 

Glück haben - heißt durch einen (glücklichen) Zufall begünstigt zu sein z.B.: beim Lotto gewinnen, durch Zufall einen Vorteil erlangen (Supermarkt) oder einen Nachteil vermeiden (z.B. von einem Unfall verschont werden)

 

Glück empfinden - Das Empfinden von Glück ist sowohl ein Gefühl, als auch ein Zustand in dem sich eine Person befindet und das sich durch ein allgemeines, oft unbewusstes Wohlbefinden auszeichnet. Entscheidend sind dabei nicht die objektiven Tatsachen, sondern das subjektive Erleben der betreffenden Person.

 

Glücksforscher verwenden deshalb eher den Begriff„subjektives Wohlbefinden“ statt „Glück“.

„Glück empfinden“ hat also zwei mögliche Varianten:

 

-          Glück empfinden können wir während einer kurzen Zeitdauer (Glücksmoment erleben).Bsp. etwas gutes essen, eine wichtige Sache abschließen, mit Freunden zusammen zu sein

-          Glück empfinden kann ein dauerhaftes Gefühl sein. - Bsp. Mit dem Leben zufrieden sein.

-           

Anstelle des Begriffes „Glück“ oder im Zusammenhang damit werden oft auch die folgenden Begriffe gewählt:

 

-          Zufriedenheit bzw. Lebenszufriedenheit

-          Flow

-          angenehmes gelingendes gutes Leben

-          Lebensqualität

-          Freude

-          Lust

-          Spaß

-          subjektives Wohlbefinden

 

Dass der Begriff Glück sehr verschieden verstanden werden kann, liegt wohl auch daran, dass unterschiedliche Fachrichtungen sich mit seiner Klärung beschäftigen.

Blickt man in die philosophische Literatur, so mag man zweifeln, ob es denn überhaupt ein Glück sei, Philosophie zu betreiben. Die verschiedenen Philosophen geben außerdem auf die Frage nach dem Glück die unterschiedlichsten, teils sich widersprechenden oder sogar sich gegenseitig ausschließenden Antworten.

Dies liegt vor allem daran, dass den jeweiligen Glücksvorstellungen unterschiedliche Menschenbilder und ethische Ausätze zugrunde liegen.

 

Geht man z.B. davon aus, dass der Mensch nichts weiter als eine Art höher entwickeltes Tier sei, so wird man das Glück des Menschen in erster Linie darin sehen, seine natürlichen, triebhaften Bedürfnisse zu befriedigen.

Betrachtet man den Menschen dagegen primär als ein geistiges Wesen, verpflichtet einer höheren, geistigen Welt, so wird man geistigen, asketischen Bedürfnissen als Glück den Vorzug geben.

 

Diese beiden gegensätzlichen Menschenbilder entsprechen in der Ethik einerseits einem vor allem auf individuellen Lustgewinn ausgerichteten Glücksstreben (Epikureismus, Hedonismus) und andererseits einem Glücksverlangen, das sich höchster Sittlichkeit und asketischer Lebensführung verpflichtet fühlt (Moralismus).

 

In der Philosophie wird der aus dem Altgriechischen stammende Begriff Eudämonismus zur Bezeichnung verschiedener ethischer Lehren verwendet, die sich hauptsächlich das Glück des Menschen zum Ziel genommen haben.

Platon, Augustinus, Thomas von Aquin und später auch Marx gelten als ontologische Eudämonisten, da sie das Glück (altgriechisch „eudaimonia“ ) ganz auf das Sein des Menschen begründen. Platon nennt dieses Sein Agathon, Augustinus und Thomas von Aquin nennen es Gott und für Marx ist es die Materie.

 

Als moralischen Eudämonismus oder Moralismus bezeichnet man die ethische Lehre des Aristoteles, weil seine Ethik von der Überzeugung geprägt ist, dass ein allgemein gültiges sittlich-moralisches Ideal Grundlage des Glücks aller und des einzelnen ist. Diese Ansicht wird auch durch den Stoizismus vertreten.

Als antike Moralisten sind auch die Kyniker anzusehen, die der Erfüllung des sittlich-moralischen Ideals die Verpflichtung zu asketischer Selbstgenügsamkeit gleichberechtigt an die Seite stellen.

 

In der Neuzeit wurden im Zuge humanistischer Vorstellungen oft die Begriffe Altruismus und Egoismus zur näheren Definition verwendet.

So versteht man unter altruistischer (auch sozialer ) Eudämonie, Glückseligkeit, die aus einer dem anderen zugewandten Grundhaltung entsteht und unter egoistischer (auch individueller) Eudämonie, Glückseligkeit, die aus einer dem ICH zugewandter Grundhaltung entspricht.

 

Der Hedonismus (altgriechisch von „hedonä“ = Freude, Vergnügen, Lust) begründet auch das ethische Ideal dessen und betont den Lustgewinn, der in Ansätzen schon bei Epikur und dem auf ihn sich berufenden Epikureismus vorhanden ist. In seiner negativsten Ausprägung führt der Hedonismus zum relativen bzw. absoluten Immoralismus bzw. Amoralismus, d.h. zu einer teilweisen oder vollständigen Ablehnung

jeglicher Art von sittlicher Norm wie z.B. bei Nietzsche.

 

Moderne Philosophen vermeiden weitgehend das Thema Glück. Viele akademische Philosophen widmen sich ausschließlich wissenschaftstheoretischen Aufgaben, wie

 

-          Existenzphilosophie,

-          Phänomenologie und

-          Konstruktivismus

 

beschränken sich auf die Beschreibung von Problemen und Fragen. Daran lässt sich ablesen, dass die Philosophie heute die den Menschen bedrängenden Fragen unbeantwortet lässt.

 

-          Augustinus: Glück ist Gott haben und Dasein für den Mitmenschen

-          Aristoteles: Glück ist Tugend und Tüchtigkeit

-          Thomas von Aquin: Glück ist die Gebote Gottes zu halten

-          Martin Luther: Glück ist die Gnade Gottes

-          Immanuel Kant: Glück ist Pflicht

-          Epikur: Glück ist Unerschütterlichkeit und körperliche Gesundheit

-          John Locke: Glück ist ein Höchstmaß an Vergnügen

-          Thomas Hobbes: Glück heißt den Begierden folgen

 

„Die positive Psychologie“ beschäftigt sich mit der Frage, was das Leben lebenswert macht. Unter anderem wurden die Auswirkungen von Glück untersucht. Von Interesse war, ob Glück zu Müßiggang, Betäubung oder auch Passivität führt. Folgende Erkenntnisse wurden dabei gewonnen: Glückliche Menschen haben

 

-          eine Stärkung der psychischen Gesundheit (und damit der Gesundheit allgemein)

-          ein aktiverer Bezug im Leben (besonders im Alter)

-          eine hohe Bewusstheit, Sensibilität und Offenheit der Realität gegenüber

-          eine empathischere, soziale Orientierung auf die Mitmenschen

-          eine integrierende, identitätsstützende Wirkung auf die gesamte Persönlichkeit

 

Nach Seligman hängen Glück und Lebensfreude stark von einer optimistischen Erwartungshaltung dem Leben gegenüber ab, und diese Erwartungshaltung kann erlernt werden. Positive Psychologie darf nicht mit dem sog. „Pos. Denken“ verwechselt werden.

Zitat: Es geht nicht mehr darum, Schäden zu begrenzen – und von minus acht auf minus zwei der Befindlichkeitsskala zu kommen - sondern wie wir uns von plus zwei auf plus fünf verbessern können.

 

Motivationsforscher meinen, dass Glück oder Unglück nicht davon abhängen, ob bestimmte Motivatoren stärker vorhanden sind oder nicht. Es sind nicht ein paar bestimmte Motive oder Triebe, die unser Handeln bestimmen und uns glücklich machen.

Jeder Mensch hat ein individuelles „Motivationsprofil“, durch das er sich von anderen unterscheidet. Indem wir uns darüber bewusst sind, welche Motivatoren uns am wichtigsten sind und uns auf diese konzentrieren, werden wir am ehesten das sogenannte „Werteglück“ erfahren, das dem Leben Sinn gibt.

 

Bsp. von Motivatoren: Macht, Neugier, Unabhängigkeit, Ordnung, Ehre, Beziehungen, Idealismus, Status, Familie, Romantik, Rache, Ruhe, Körperliche Aktivität, Ernährung, Sparen, Anerkennung,

 

Glück ist unbestimmt, verwickelt, heikel und spannungsgeladen. Dennoch ist es ein Allerweltswort, das einem auf Tritt und Schritt begegnet und leicht über die Lippen geht. Es ist die gebräuchlichste und umfassendste Erfüllungskategorie unserer Sprache. Es bildet den Fluchtpunkt des Alltagsbewusstseins. Auch wenn Glück von der bildenden Kunst, von Literatur und Musik sowie von einer überreichen philosophischen  Denktradition ins Sublime verklärt und in ideale Höhen gehoben worden ist, ist es gleichwohl bodennah und handgreiflich geblieben.

 

Hier findet sich das Nachdenken des Menschen über die Spannung seines Lebens, die eigene Endlichkeit und Unendlichkeit, einen unmittelbar einleuchten sprachlichen Fokus. Darum sollte Glück auch ein theologischer Begriff sein. Denn die Theologie ist selbst eine Form, über die Endlichkeit und Unendlichkeit des Menschen, seine Steigerungsfähigkeit und seine Grenzen nachzudenken.

 

Für Dalai Lama z.B. besteht der Sinn des Lebens darin, glücklich zu sein. Sein Verständnis von Glück ist Folgendes: Für ihn gibt es zwei Wege, die Ursache für Glück zu schaffen: Der erste ist äußerlich. Der zweite Weg besteht in geistiger Entwicklung. Die wichtigste Methode, ein glückliches Leben zu erreichen, besteht darin, unseren Geist in täglichen Übungen zu schulen, die negatives Verhalten schwächen und positives Verhalten stärken. Er glaubt, dass die Übung von Mitgefühl und Liebe -ein aufrichtiges Gefühl für Bruderschaft und Schwesternschaft- die allumfassende Religion ist. Es kommt nicht darauf an, welche Religion man ausübt, oder ob man überhaupt eine Religion ausübt. Worauf es ankommt ist ein Gefühl der Verbundenheit mit der Menschheit. Die spirituelle Praxis hat drei Aspekte: Ethik, konzentrierte Meditation und Weisheit. Jeder Aspekt dient als Grundlage für den nächsten. Dalai Lama betont also die geistige Entwicklung, das Absolvieren von täglichen meditativen Übungen und die Hinwendung zu unseren Mitmenschen als die Wege zum Glück. Seine Regel lautet: Glück ist eine Übungssache. Jeder Mensch hat Recht auf Glück – doch muss er bereit sein, ein Leben lang etwas dafür zu tun!

 

Eine weitere Definition des Begriffs „Glück“ ergibt sich, wenn nach dem Alltagsverständnis gefragt wird.

Befragte definieren Glück als

 

-          Zufriedenheit mit dem Leben

-          Selbstvertrauen

-          Freuden

-          Freiheit

-          Unabhängigkeit

-          Naturgenuss

-          Abwesenheit von Unangenehmen

-          Entspannung, Ruhe.

 

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Glücklich sein für jeden etwas anderes bedeutet. Ist es überhaupt möglich, Antwort auf die Frage: Wie werde ich glücklich? zu finden? Empirisch arbeitende Glücksforscher versuchen es, indem sie zunächst Menschen befragen, ob und wann sie glücklich sind. Anschließend analysieren sie, ob Gemeinsamkeiten zwischen glücklichen Menschen existieren. Schließlich versuchen sie, daraus die Frage „Wie werde ich glücklich“ zu beantworten. Folgende Antworten kamen dabei heraus:

 

  1. Glückliche Menschen haben ihr Leben selbst in der Hand
  2. G M schaffen die Balance zw. Anspannung und Entspannung
  3. GM schaffen die Balance zischen dem, was sie haben und dem, was sie wollen; zw. Möglichkeiten und Ansprüchen
  4. GM sind kreativ und neugierig
  5. GM sind nicht auf das Glück fokussiert, sondern leben und nehmen die Freuden des Lebens einfach mit
  6. GM haben häufig positive Ereignisse (Häufigkeit ist entscheidend)
  7. GM sind Realisten bei der Einschätzung ihrer Ziele und Möglichkeiten. Sie geben ihrer Existenz einen übergeordneten Sinn indem sie z.B. irgendeine Form eines geistigen Glaubens besitzen.

 

Hirnforscher haben festgestellt, dass positive und negative Gefühle im Gehirn an unterschiedlichen Stellen erzeugt werden. Bei neg. Gefühlen (Unglück) ist eher die rechte Seite des Stirnhirns aktiv, bei positiven Gefühlen (Glück) die linke Seite. Negative Gefühle schließen positive Gefühle nicht aus. Weder physiologisch (körperlich) noch emotional gilt ein „Entweder – oder“, wir können uns gleichzeitig glücklich und unglücklich fühlen.

 

Psychologische Glücksforscher haben festgestellt, dass wir uns glücklich fühlen, wenn in unserem Leben die Zahl der positiv empfundenen Momente die negativen überwiegt. Glück kann bzw. muss aktiv hergestellt werden und entsteht nicht einfach passiv, durch das Wegfallen von Unglücklichsein, Schmerz oder Stress.

Nach einem solchen Wegfall sind wir bestenfalls in einem neutralen Zustand, aber damit noch nicht glücklich.

 

Die Psychologie hat diesen Sachverhalt erkannt und dafür den neuen Forschungsbereich „Positive Psychologie“ gegründet.

 

Glücksrezepte

 

Jeder Mensch hat seine eigene Glücksformel! Dennoch gibt es einige allgemeine Empfehlungen :

 

  1. Genieße den Augenblick
  2. Beziehungen zu Menschen haben oberste Priorität
  3. Konzentriere dich auf das Wesentliche
  4. Fordere dich in Arbeit und Freizeit
  5. Tue so, als ob Du glücklich wärst und Du wirst es sein
  6. Übe dich in Gelassenheit

 

Persönliches Schlusswort:

 

Unser Glück hängt inzwischen von so vielen Dingen und Umständen ab – bsp. dem passenden Partner, von den Aktienkursen, dem Urlaub, der körperlichen Fitness, usw. dass wir gar nicht mehr zu merken scheinen, wie abhängig wir geworden sind. Im Gegenteil: Wir scheinen der Überzeugung zu sein, dass unser vermeintliches

Glück das Glück der ganzen Welt sein müsste.

Bei Platon und Augustinus können wir lernen, was zum Glück des Menschen wirklich gehört. Ihr gründliches Denken kam zu dem Schluss, dass menschliches Glücksstreben sich am Sein und nicht an den individuellen Wünschen und Begierden der des Menschen orientieren muss.

 

Wir müssen wieder entdecken, was das Wesen des Menschen ausmacht, um dieses zum Maßstab unseres Glücksstrebens nehmen zu können. Dazu ist eine umfassende Selbsterkenntnis möglichst vieler nötig, indem wir uns selbst erkennen, d.h. Tiefen und Höhen, Licht und Schatten unseres Innersten ausloten. Dann gelangen wir - so Platon und Augustinus - einsichtig zu dem, was über dem Menschen steht und dass ohne Beziehung zu diesem Höheren, das unser Dasein begründet, kein wahres Glück möglich ist.

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